kurz und bündig Sätze

 

 

Mein Geschriebenes ist wie eine Brücke zwischen Gedachtem und Gesprochenen.

 

Je mehr ich schreibe desto mehr bleiben die Worte kleben im Abrufbereich meines Sprechens.

 

Mein Sprechen ist im Fluss des Gedachten wie grosse Steine um die der Gedankenfluss tänzelt.

 

Geschriebenes ist Fixiertes, mein Gesprochenes verrät das Gedachte bevor es fixiert worden ist.

 

Mein Gesprochenes sieht sich im Spiegelbild und wundert sich über die toten Flecken.

 

Geschriebenes sieht dabei zu, sagt sich das sind blinde Flecken und da kann ich hindurchgehen.

 

Geschriebenes geht durch den blinden Fleck und ist erstaunt über die Vielzahl Worte, die in seinem Netz festhängen.

 

Mein Geschriebenes denkt einige der quecksilbrigen Fische auf die Spiegelwand gemalt und geht von dannen, zum nächsten blinden Fleck.

 

Spiegel verhängen, das war die wortlose Bedingung meines Gesprochenen bevor wir vom Zelt ins Haus umziehen konnten.

 

Mein Gesprochenes dachte sich kämpferisch sein Ebenbild ohne Wortlosigkeit und Stimmunterbrochensein und begnügte sich zuerst mit Brosamen und Krümel die mein Gedachtes verstreute.

Gesprochenes  begab sich in ein Labyrinth auf Wortsuche und passte gut auf nicht in den Schlund des Minotaurs zu tappen.

 

Gesprochenes stand dem Abgrund des Nichts gegenüber und der brannte sich einen Platz in mir und genau wie nach Bushfires, spriessten Satzzweige und Wortkeime sehr zur Genugtuung.

 

Meine Identität findet sich in meinem Gedachten, Gesprochenen und Geschriebenen, aber nicht nur.

 

Ich sammelte Tassen, jetzt sammle ich Worte.

 

 

©  Corinne Othenin-Girard   08.2016/12.2019

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